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Schlosstheater

Geschichte des TheatersAnhangtechnische AngabenHistorische Ausstattung

Wichtige Ereignisse

(Detail)19. Jahrhundert | Das Schlosstheater wird eingerichtet

(Detail)1885 | Reconstruction of theatre to the present form

(Detail)1983 | Die Bühnendecke wird zubetoniert und die

Menschen

Geschichte

Nicht weit der österreichisch-tschechischen Grenze bei Gmünd thront das Renaissanceschloss Weitra auf einem Hügel oberhalb der gleichnamigen Stadt. Seit vierhundert Jahren überblicken seine Herren von hier das Tal und die unter einer steil abfallenden Felswand dahinrauschende Lainsitz. Bereits im 18. Jahrhundert richteten sie in der ersten Etage des Schlosses ein Theater ein, das heute einige Rätsel aufgibt.

 

Eine kurze lange Geschichte

Burg und Stadt Weitra wurden zu Beginn des 13. Jahrhunderts von Hadmar II. aus dem Geschlecht der Kuenringer erbaut. 1296 ging der Besitz an die Habsburger über. Sie beschenkten damit 1592 ihren Kämmerer Wolf Rumpf von Wielross, der die Burg vom kaiserlichen Baumeister Pietro Ferrabosco in ein Renaissanceschloss verwandeln ließ (die Barockgiebel stammen aus dem 18. Jahrhundert). Rumpf starb vor Vollendung der Arbeiten. Seine Witwe heiratete 1606 einen Grafen Fürstenberg, dem sie 1607 Schloss und Herrschaft schenkte. Seitdem verwalten die im schwäbischen Donaueschingen beheimateten Fürstenberger das Schloss – seit 1755 mit einer Weitraer Linie, den Landgrafen zu Fürstenberg.

 

Der Dreiklang des Raums

Die Geschichte ihres Schlosstheaters ist kaum erforscht. Seine heutige Gestalt erhielt es im Jahre 1885 auf Wunsch von Landgraf Eduard Egon (1843–1932) nach Plänen des Wiener Architekten A. Führer. Es ist ein Saaltheater, d.h. die Form des Zuschauerraums ist sichtbar rechteckig und nicht durch glocken- oder hufeisenförmige Ränge in schwingende Linien gebracht. Der Bühne gegenüber befindet sich ein Balkon mit drei Logen, der durch seine gerade Front die rechteckige Anlage unterstreicht. Dass man sich in diesem Kasten trotzdem sehr wohl fühlen kann, ist der Gestaltung der Wände und der Decke zu verdanken. Sie weisen durchgehend eine Dreiteilung auf, bei der jeweils eine große mittlere Fläche von zwei kleineren Flächen flankiert wird. Ganz natürlich ist dies beim Bühnenportal: In der Mitte die große Bühnenöffnung, links und rechts zwei kleinere, von Säulen flankierte Seitenteile. In jedem befindet sich ein Gemälde: links ein Putto mit Laute, rechts ein Putto mit Theatermaske in der Hand und ein zweiter, der zu schlafen scheint. Während die Symbolik der beiden ersten Putti leicht zu verstehen ist, stellt uns der Schläfer vor ein Rätsel. Was hat er zu bedeuten?

Die Seitenwände sind durch reliefartig hervortretende Pfeiler ebenfalls in drei Feldergeteilt. Die bis zum Deckengesims reichende Tür teilt das große mittlere Feld ihrerseits in drei Teile. In dem Relief über den Türflügeln tanzen Kinder einen Reigen, darüber schließt ein antiker Giebel die Tür zur Decke hin ab. Die der Eingangstür gegenüberliegende Tür ist eine Scheintür, die in eine Fensternische führt – sie wurde nur aus Symmetriegründen eingebaut. Die beiden schmaleren Wandfelder markieren einerseits den Orchesterraum – das Orchester sitzt hier nicht in einem Graben, sondern auf Parketthöhe vor der Bühne, nur durch eine halbhohe Trennwand vom Publikum geschieden –, andererseits den Raum des Balkons.

Der Balkon ist in eine größere mittlere Loge und zwei kleinere seitliche Logen unterteilt. Die Gestaltung der Logenbrüstung unterstreicht die Dreiteilung. Die Dekoration des Saals ist im Übrigen reines Theater: Der Marmor der Wände ist nur aufgemalt, und die halbplastischen, goldfarbenen Dekorationselemente sind aus Papiermaché. Schließlich die Decke. Im Zentrum kein Leuchter, denn der hätte den Blick zur Bühne gestört. Stattdessen eine durchbrochene Scheibe als Lüftungsmöglichkeit in den Dachboden hinein. Sie liegt in einer großen, stuckierten, rechteckigen Fläche, deren Seitenlänge den Türfeldern der Seitenwände entspricht. Das kleinere Feld über dem Orchesterraum würde seine Entsprechung auf der anderen Seite des Saales finden, doch hier reicht die Fürstenloge bis unter die Decke und macht eine Deckengestaltung überflüssig. Nichtsdestotrotz ist die Dreiteilung auch hier ganz deutlich. So wird die Dreiteilung zu einem Dreiklang, der den eigentlich strengen, rechteckigen Raum harmonisch gliedert.

 

Das Rätsel der Bühne

 

Als das Theater 1885 neu gestaltet wurde, baute man auch eine neue Bühnentechnik und eine Gasolinbeleuchtung ein. Nun wurden die Kulissen nicht mehr zur Seite herausgefahren wie heute noch in Gotha, Ludwigsburg und Bad Lauchstädt (siehe dort), sondern nach oben in den Dachbogen gezogen bzw. von dort auf die Bühne heruntergelassen. Aus der ersten Periode des Theaters stammt anscheinend noch der Wellbaum in der Unterbühne. Doch das, was auf und über der Bühne zu finden ist, gibt Rätsel auf. Sieht man vom Saal mit seinen 155 Plätzen auf die Bühne, erblickt man eine der üblichen Stoffaushängungen. Hinter den Stoffbahnen aber stehen Kulissenständer, je vier auf jeder Seite. Sie sind fest am Bühnenboden und an der Decke verschraubt. An jedem Kulissenständer ist ein Kulissenrahmen angebracht, allerdings ohne Leinwandbespannung, also ohne die eigentliche gemalte Kulisse. Der Rahmen ist an einer Seite durch Metallbügel mit dem Kulissenständer verklammert, die sich leicht lösen lassen und ein Auswechseln der Kulissenrahmen ermöglichen. An der Seite jedes Kulissenrahmens ist eine hölzerne Sprossenleiter montiert, die das Auswechseln der Kulissen erleichtern soll.

Da diese Installation für das Auswechseln der Bühnenbilder durch Hochziehen genauso wenig taugt wie für die ältere Technik des seitlich Herausfahrens, ist sie vielleicht erst 1983 auf die Bühne gekommen. Damals wurde die hölzerne, mit vielen Klappen versehene Decke über der Bühne aus Feuerschutzgründen von oben mit einer Betonschicht versiegelt. Nun konnte nichts mehr von der Bühne in den Dachstuhl gezogen werden, und man musste sich für die Bühne etwas Neues einfallen lassen. Oben im Dachstuhl, der Oberbühne des Theaters, hängen viele Rollen an der Decke, über die die Seile von der Bühne auf eine riesige, ebenfalls noch vorhandene Lattenwalze geführt wurden. So konnten die Kulissen nach oben in den Dachstuhl entschweben und zugleich die neuen Kulissen auf die Bühne einschweben. Zwei schlankere Lattenwalzen hängen entlang den beiden Seiten der Bühne unter der Holzdecke. Sie dienen üblicherweise dem Auswechseln der Soffitten.

Es wäre aber auch möglich, dass jede Walze die Kulissen auf ihrer Seite hoch- und runterzog, während die große Walze in der Oberbühne die großen Prospekte bewegte, die das Bühnenbild hinten begrenzen. Ein paar Holzschienen an der Decke lassen darauf schließen, dass die Prospekte heute als Schiebeprospekte nach links und rechts aus dem Sichtfeld gezogen werden sollen, da sie nicht mehr nach oben weggezogen werden können. Wo aber befinden sich die dafür nötigen bühnenhohen Rahmen jetzt? Und wo sind die gemalten Kulissen geblieben? Auch die Beleuchtung wirft Fragen auf. Vor jedem Kulissenständer befindet sich ein als Winkelbrett gestalteter Lichtbaum, der die Kulisse gleichmäßig ausleuchten kann. Doch die nötige Rampenbeleuchtung ist nicht zu entdecken. In der Unterbühne findet sich eine versenkbare Rampenbeleuchtung; sie war im 18. Jahrhundert üblich, für das regelbare Gaslicht aber unnötig. Was also wurde 1885 tatsächlich entfernt bzw. eingebaut? Welche Teile stammen aus dem 18., welche aus dem 19. Jahrhundert? Und was geschah bei der Renovierung 1983? Eine rätselhafte Bühne, von heute aus gesehen. Doch wenn die nötige Forschungsarbeit geleistet und die völlig unnötige Betonschicht in der Oberbühne entfernt ist, könnte dieses historische Theater tatsächlich seine historische Bühnentechnik wiedergewinnen – als eins der wenigen Theater des 19. Jahrhunderts in Europa.

 

 

Schloss Weitra ∙3970 Weitra ∙ Österreich

Tel: +43 (0) 2856 3311 ∙ E-Mail: info@schloss-weitra.atwww.schloss-weitra.at   

Besichtigung: Mi–Mo 10–17.30 Uhr (Mai–Okt.) ∙ Gruppenführungen ganzjährig auf Anfrage

 

 

Autor: Carsten Jung

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